James und der Zylinder
James ist eine neue Lokomotive, die an einem Bahnhof am anderen Ende der Zugstrecke lebt. Er hat vorne zwei kleine Räder und dahinter sechs Antriebsräder. Sie sind nicht so groß wie Gordons Räder, aber sie sind auch nicht so klein wie die von Thomas.
„Du bist eine spezielle Multifunktionslokomotive“, erklärte ihm der dicke Kontrolleur. „Du kannst sowohl Personwagen als auch Güterwagen ziehen.“
Aber mit Güterwagen ist nicht so einfach zurechtzukommen und an seinem ersten Tag hatten sie ihn einen Hügel hinab in ein Feld geschoben.
Er war krank gewesen nach diesem Unfall, aber jetzt hat er neue Bremsen und einen neuen Anstrich mit leuchtender roter Farbe.
„Der rote Anstrich wird dich nach dem Unfall aufmuntern.“, sagte der dicke Kontrolleur freundlich. „Heute wirst Du Personenwagen ziehen und Edward wird Dir dabei helfen.“
Gemeinsam begannen sie die Personenwagen zu suchen.
„Sei vorsichtig mit den Personenwagen, James,“, sagte Edward, „sie mögen es nicht gestoßen zu werden. Güterwagen sind albern und laut; die müssen gestoßen und belehrt werden, um sich zu benehmen, aber Personenwagen würden böse werden und es Dir heim zahlen.“
Sie brachten die Personenwagen zum Bahnsteig und wurden beide an die Spitze des Zuges gekoppelt. Der dicke Kontrolleur, der Stationsvorsteher und einige kleine Jungen bewunderten James leuchtende Stangen und seinen roten Anstrich.
James war zufrieden. „Ich bin eine wirklich großartige Lokomotive“, dachte er, und ließ plötzlich Dampf ab. „Pfffiiieeesch!“
Der dicke Kontrolleur, der Stationsvorsteher und der Schaffner sprangen alle zur Seite und ein Schwall Wasser spritzte auf den schönen neuen Zylinder des dicken Kontrolleurs.
In diesem Moment wurde die Pfeife geblasen und James dachte, dass sie besser starten sollten – also starteten sie.
„Anfahren, anfahren“, keuchte er zu Edward.
„Schiebe nicht, schiebe nicht,“, keuchte Edward, da er schnelles Anfahren nicht mochte.
„Nicht so schnell, nicht so schnell“, schimpften die Personenwagen; aber James wollte nicht hören. Er wollte weg fahren bevor der dicke Kontrolleur ihn zurück rufen konnte.
Er wollte nicht einmal am ersten Bahnhof anhalten. Edward versuchte so stark wie möglich zu bremsen, aber die ersten beiden Personenwagen standen hinter dem Bahnsteig bevor sie anhielten und so mussten sie ein Stück zurück fahren, damit die Passagiere aussteigen konnten.
Eine Menge Leute kamen, um James anzusehen, und da niemand etwas über den Zylinder des dicken Kontrolleurs zu wissen schien, fühlte sich James etwas besser.
Dann kamen sie an den Bahnhof, an dem Thomas mit seinen zwei Personenzügen wartete.
„Hallo James!“, sagte Thomas freundlich, „fühlst Du Dich besser? Das ist toll. Ah! Das ist die Pfeife von meinem Schaffner. Ich muss los. Entschuldige, dass ich nicht anhalten kann. Ich wüsste nicht, was der dicke Kontrolleur tun würde, wenn ich nicht auf dieser Nebenstrecke fahren würde,“ und er keuchte wichtigtuerisch mit seinen zwei Personenwagen in den Tunnel davon.
Als sie den Bahnhof verließen, passierten sie das Feld in dem James seinen Unfall hatte. Der Zaun war repariert und die Kühe waren zurück auf der Weide. James pfiff aber sie regierten nicht darauf.
Sie klapperten durch Edwards Bahnhof und begannen den Hügel dahinter hoch zu fahren.
„Es ist immer so steil, es ist immer so steil“ , keuchte James.
„Ich habe es schon geschafft, ich habe es schon geschafft“, keuchte Edward.
„Es ist steil, aber wir schaffen es – es ist steil, aber wir schaffen es“, keuchten die beiden Lokomotiven zusammen als sie den Zug den langen Anstieg hinauf zogen.
Am nächsten Bahnhof ruhten sich beide aus; Edward erzählte James wie Gordon am Hang stecken geblieben war und er ihn anschieben musste!
James lachte so ausgiebig, dass er Schluckauf bekam und eine alte Dame mit einem schwarzen Häubchen erschreckte.
Sie ließ alle ihre Pakete fallen und drei Gepäckträger, der Stationsvorsteher und der Schaffner mussten hinter ihr her rennen und die Pakete auflesen!
James war diese Nacht sehr ruhig im Lokschuppen. Er hatte den Tag genossen, aber er war auch ein wenig ängstlich was der dicke Kontrolleur wegen seines Zylinders sagen würde.
Original von Rev. W. Awdry, Übersetzung von Christoph Saam